
Elizabeth Maria Molteno
- Frauenbewegung
Biografie
Südafrikanische Bürgerrechtlerin
- Geboren
- 24. September 1852 in Beaufort West, Südafrika
- Gestorben
- 25. August 1927 in Trevone, Vereinigtes Königreich
- Wirkungsfeld
- Menschenrechtlerin, Frauenrechtlerin, Suffragette

Lebensgeschichte
Elizabeth „Betty“ Maria Molteno (* 24. September 1852; † 25. August 1927) war eine bedeutende Aktivistin der frühen Frauen- und Bürgerrechtsbewegung in Südafrika. Als fortschrittliche Pädagogin setzte sie an ihrer Mädchenschule Neuerungen durch, die ihrer Zeit genauso weit voraus waren wie ihre politische Überzeugung von der Gleichheit aller Menschen, unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Ethnie oder Rasse.
Leben
Kindheit und Jugendjahre
Elizabeth Molteno wurde als älteste Tochter einer einflussreichen Familie italienischer Herkunft auf einer Farm nahe Beaufort West in der britischen Kapkolonie geboren. Ihr Vater John Molteno war der erste Premierminister am Kap, und auch viele von Elizabeths achtzehn Geschwistern schlugen später eine erfolgreiche Laufbahn in der südafrikanischen Politik und Wirtschaft ein.
Als Lieblingstochter ihres Vaters verlebte Elizabeth unbeschwerte Kinderjahre auf dem elterlichen Landgut Claremont bei Kapstadt. Zusammen mit ihren Geschwistern durfte sie ihren Vater oftmals auf diplomatischen und Geschäftsreisen nach Europa begleiten. So bereiste Elizabeth, die das große Interesse ihres Vaters für Politik und Zeitgeschehen teilte, unter anderem London und Italien.
Zeitgenossen lobten Elizabeths hohe Intelligenz und ihr außerordentliches Gedächtnis. Aufsehen erregten jedoch ihre ungewöhnlichen Vorlieben und ihre Ansichten, die für eine junge Dame der viktorianischen Ära völlig unkonventionell waren. So gab sie einfacher und robuster Kleidung den Vorzug vor der aufwändigen und unbequemen Frauenmode ihrer Zeit und wollte ihre Rolle als Frau in der Gesellschaft nicht auf ein Dasein als Hausfrau und Mutter beschränkt sehen. Sie war zudem areligiös, wenngleich sie sich selbst als spirituell bezeichnete. Bemerkenswert war ihr Eintreten für die völlige Gleichberechtigung der Geschlechter und Rassen – ein Standpunkt, den sie ihr ganzes Leben lang vertreten sollte.
Nach ihrem Schulabschluss entschied sich Elizabeth anders als ihre Schwestern nicht für eine Heirat, sondern nahm ein Studium am Newnham College der University of Cambridge auf.
Fortschrittliche Erzieherin
Nach ihrem Studium wählte Elizabeth einen der wenigen qualifizierten Berufe, die Frauen im 19. Jahrhundert offenstanden, und unterrichtete als Lehrerin an der Collegiate School, einer Mädchenschule in Port Elizabeth. Später wurde ihr die Leitung dieser Schule anvertraut. Ihre Lehrmethoden, die in ihrer Zeit als modern und liberal galten, waren dem üblichen viktorianischen Unterrichtsmodell, bei dem Lehrstoff fast ausschließlich durch bloßes Repetieren eingeübt wurde, weit voraus und berücksichtigten zudem die geschlechtsspezifischen Bedürfnisse der Schülerinnen durch die Einführung eines Sexualkundeunterrichts und die Erlaubnis, Bloomers tragen zu dürfen – weit geschnittene Damenoberhosen, die den Mädchen genügend Bewegungsfreiheit verschafften, um am Gymnastikunterricht teilnehmen zu können. Mit ihren mutigen und pragmatischen Entscheidungen nahm Molteno eine Vorreiterrolle in Südafrika ein.
Die Bedeutung einer umfassenden Schulausbildung für Mädchen schätzte Molteno als derart wichtig ein, dass sie freiwillig auf ein Gehalt für ihre erzieherischen und administrativen Tätigkeiten verzichtete. Dank ausreichender familiärer Einkünfte war Molteno in finanzieller Hinsicht unabhängig.
Friedensaktivistin
Als die britische koloniale Expansion in Südafrika in einen militärischen Konflikt mit den Burenrepubliken mündete, bezog Molteno aktiv Stellung gegen den Krieg und nahm dafür auch ihre Entlassung aus dem Schuldienst in Kauf. Während die britischstämmige Bevölkerung der Kapprovinz ganz überwiegend von einer Welle patriotischer Gefühle und Kriegsbegeisterung erfasst wurde, sahen sich Friedensaktivisten erheblichem sozialen Druck ausgesetzt und als Burensympathisanten diffamiert.
Nachdem sie sich wiederholt geweigert hatte, ihre Antikriegsproteste einzustellen, wurde Molteno gekündigt, obwohl zahlreiche ihrer früheren Schülerinnen zusammen mit dem Lehrpersonal der Schule eine Unterstützungskampagne für ihre Weiterbeschäftigung begannen.
Molteno war eine der Mitbegründerinnen des South Africa Conciliation Committee, das sich für eine Verhandlungslösung im Burenkrieg aussprach, und zog 1899 nach Kapstadt, um die Aktivitäten des Komitees besser unterstützen zu können. Hier organisierte Molteno eine Reihe von Demonstrationen, bei denen mehrere tausend Teilnehmer gegen den Krieg und die ethnischen Spannungen, die daraus resultierten, protestierten.
Molteno verband eine enge Freundschaft mit Emily Hobhouse und Olive Schreiner. Nach dem Krieg waren die drei Frauen gemeinsam in humanitären und Friedensorganisationen aktiv. Ihre besondere Aufmerksamkeit galt den Opfern der britischen Kriegsführung, vor allem den Burenkindern, die – nach Plünderung ihrer Farmen – zu zehntausenden mit ihren Müttern (und tausenden schwarzen Bediensteten) in Konzentrationslager gesperrt wurden, um ihre Väter und Ehemänner, die im letzten Stadium des Krieges einen Guerillakrieg gegen britische Truppen führten, zu demoralisieren.
Wenngleich diese concentration camps nicht als Vernichtungslager konzipiert waren, führte die unzureichende Organisation der britischen Militärführung zu tausenden von Todesopfern durch Unterernährung und Krankheiten. Auch auf britischer Seite kostete das Versagen der Generäle bei der Sicherstellung einer angemessenen medizinischen Versorgung mehr Soldatenleben als die Kampfhandlungen.
Eine ganz besondere und lebenslange Freundschaft verband Elizabeth Molteno mit Alice Matilda Greene (1858–1920), der Tante des Schriftstellers Graham Greene. Alice Greene, eine talentierte und vielbelesene Erzieherin, entstammte einer angesehenen englischen Familie. 1887 kam sie als Lehrerin in die östliche Kapkolonie, wo sie bald darauf als stellvertretende Leiterin der Collegiate School angestellt wurde und Moltenos Überzeugungen teilte. Zusammen mit Molteno engagierte sich Alice Green in der örtlichen Friedensbewegung und nahm an Protestaktionen gegen die britische Kriegsführung teil.
Quellen
- Wikidata · Lizenz: CC0
- Wikipedia (de): Elizabeth Maria Molteno · Lizenz: CC BY-SA 4.0
- Wikipedia (en): Elizabeth Maria Molteno · Lizenz: CC BY-SA 4.0
Lebenslauf
- 24. September 1852Geboren in Beaufort West
- 25. August 1927Gestorben in Trevone



