
Lavender Guthrie
- Frauenbewegung
Biografie
Englisch-britische Suffragette und Schauspielerin
- Geboren
- 1889 in Glasgow, Vereinigtes Königreich
- Gestorben
- Juni 1914 in London, Vereinigtes Königreich
- Wirkungsfeld
- Suffragette

Lebensgeschichte
Joan Lavender Bailie Guthrie, auch unter ihrem Pseudonym Laura Grey (* 1889 in Caistor, Lincolnshire; † Juni 1914 in Westminster, London) war eine englisch-britische Suffragette und Schauspielerin. Guthrie wurde am 8. Juni 1914 in ihrer Wohnung gefunden, wo sie an einer Überdosis Veronal gestorben war. Sie war zum Zeitpunkt ihres Todes zudem schwanger.
Leben
Guthrie wurde 1889 in Caistor, Lincolnshire, in eine wohlhabende Familie geboren. Sie hatte eine Schwester namens Lilias. Der Vater stammte aus Südafrika, wohin er als Offizier während des Burenkriegs zurückkehrte und dort 1900 an Typhus verstarb. Die Mutter, die ihn in Südafrika aufgesucht hatte, verbrachte die Zeit von da an bis 1909, wo sie im lokalen Wahlregister von London steht, mit ihren beiden Töchtern wohl auf dem Kontinent, wo Guthrie auch eine offenbar gute Ausbildung erhielt. Sie soll Latein und Griechisch sehr gut beherrscht haben.
Guthrie wurde eine militante Suffragette und im Alter von 18 Jahren Mitglied der Women’s Social and Political Union (WSPU). Bis 1911, als sie 21 Jahre alt und volljährig wurde, nahm sie aber an keinen militanten Aktivitäten teil. Mit ihrem Pseudonym „Laura Grey“ ist sie in der sogenannten Roll of Honour of Suffragette Prisoners der Suffragette Fellowship aufgeführt.
Sie wurde am 18. November 1910 während des sogenannten „Schwarzen Freitags“ und zweimal im Jahr 1911 verhaftet.
Im Jahr 1912 nahm sie an einer groß angelegten Kampagne zum Fenstereinwerfen in der Londoner City teil, bei der sie die Schaufenster des berühmten Juweliers Garrard & Co in der Ablemare Street zerstörte. Sie wurde wie viele andere Teilnehmerinnen zu sechs Monaten Haft im Holloway Prison verurteilt.
Guthrie war eine von 68 Frauen, die ihre Unterschrift oder Initialen auf das von den Gefangenen in Holloway im März 1912 bestickte sogenannte „Suffragetten-Taschentuch“ setzten. Während der Inhaftierung schrieb sie das Gedicht To D.R., das vermutlich ihrer Mitstreiterin Dorothea Rock gewidmet ist. Das Gedicht wurde mit anderen von Nancy A. John gesammelt und dann 1912 in ihrem Gedichtband Holloway Jingles vom Glasgower WSPU-Bezirkverbands veröffentlicht wurde. Guthrie nahm ebenfalls an einem Hungerstreik der Inhaftierten teil und wurde zwangsernährt. Wie vielen anderen verlieh ihr die WSPU danach die sogenannte Hungerstreik-Medaille For Valour, die ihr mit einem Begleitschreiben von Mabel Tuke überreicht wurde.
Es wird vermutet, dass sie in der Folge eine Abhängigkeit vom Barbiturat Veronal entwickelte, das die Schmerzen linderte, die sie als Nachwirkung der Zwangsernährung hatte.
Neben ihrem Engagement für das Frauenwahlrecht setzte sich Guthrie auch für den Tierschutz ein und war Mitglied der Royal Society for the Protection of Birds (RSPB).
Ihre Mutter berichtete, dass Guthrie immer arbeiten wollte und sich sehr bemühte, Arbeit zu finden, um sich selbst zu versorgen, aber „sie stellte fest, dass der Lohn für ungelernte Frauenarbeit nicht zum Leben reichte“. Das änderte sich erst als sie nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis unter dem Künstlernamen „Laura Grey“ als Schauspielerin in Pantomimes begann zu arbeiten. Ihr erster Auftritt in diesem als anrüchig betrachteten Genre war 1912 in The Forty Thieves im Lyceum Theatre.
Am Morgen des 8. Juni 1914 wurde Guthrie von ihrer Putzfrau tot in ihrer Wohnung gefunden, wo sie offenbar an einer Überdosis Veronal gestorben war. Sie hinterließ einen Abschiedsbrief an ihre Mutter, datiert auf den 5. Juni und unterzeichnet mit den Initialen „J.L.G.“ Sie war zum Zeitpunkt ihres Selbstmords schwanger. Der Gerichtsmediziner schrieb ihren „moralischen Abstieg“ ihrem Engagement bei den Suffragetten zu. Die Jury kam zu dem Urteil, dass es sich um Selbstmord aufgrund vorübergehender Unzurechnungsfähigkeit handelte. Das hatte Guthrie im Brief an ihre Mutter so vorhergesehen: „Natürlich wird der freundliche Gerichtsmediziner es als vorübergehende Unzurechnungsfähigkeit bezeichnen, aber tatsächlich denke ich, dass dies das Vernünftigste ist, was ich je getan habe. Ich bin einfach nur sehr, sehr müde von allem.“ Tatsächlich hatte ihre Mutter sich im Mai 1914 schon solche Sorgen um sie gemacht, dass sie mit Helen Boyle und Louisa Garrett Anderson zwei Ärztinnen aktiviert hatte, um ihren psychischen Zustand zu begutachten. Die beiden hatten jedoch bei einem Hausbesuch kein Unzurechnungsfähigkeit, die Zwangsmaßnahmen gerechtfertigt hätten, festgestellt.
Der Vorfall erregte große Presseaufmerksamkeit in alle Richtungen. Die Dichterin Anna Wickham, die Guthrie als Grey kannte, schrieb ein Gedicht, Laura Grey, das am 16. Juni 1914 im Daily Herald veröffentlicht wurde. Der Romanautor E. W. Hornung, ein Freund der Familie Guthrie, schrieb einen Brief an die Times, der am 13. Juni als Würdigung für Laura Grey veröffentlicht wurde. Er bezeichnete sie durchgehend als „Lavender Guthrie“ und beschrieb sie als „ein wunderschönes und sanftes Wesen: eine ebenso anmutige wie ungekünstelte Frau, ein Mädchen mit einem so großherzigen, edlen Geist und einem so liebenswürdigen Wesen, wie es eine griechische Göttin verkörpern könnte, und das sich wie eine Königin gab.“
Quellen
- Wikidata · Lizenz: CC0
- Wikipedia (de): Lavender Guthrie · Lizenz: CC BY-SA 4.0
- Wikipedia (en): Joan Lavender Bailie Guthrie · Lizenz: CC BY-SA 4.0
Lebenslauf
- 1889Geboren in Glasgow
- Juni 1914Gestorben in London



