
Mary Lyttelton
- Literatur & Presse
Biografie
Englisch-britische Frauenrechtlerin, Gewerkschaftsaktivistin und Autorin
- Geboren
- 27. Februar 1856 in Belgravia, Vereinigtes Königreich
- Gestorben
- 12. Januar 1907
- Wirkungsfeld
- Aktivistin, Schriftstellerin, Herausgeberin, Suffragette

Lebensgeschichte
Mary Kathleen Lyttelton, geborene Clive (* 27. Februar 1856 in Belgravia, London; † 12. Januar 1907 in Perrystone Court, Ross-on-Wye, Herefordshire), war eine englisch-britische Frauenrechtlerin, Gewerkschaftsaktivistin und Autorin. Sie widmete einen Großteil ihres Lebens dem Kampf für das Frauenwahlrecht und für die Verbesserung der Lebensbedingungen von Frauen im Allgemeinen. Nach einer elfjährigen Zeit an der Universität Cambridge, als Ehefrau des ersten Leiters (Master) des Selwyn College, Arthur Lyttelton, konzentrierte sie sich auf ihr schriftstellerisches Schaffen und ihre Arbeit in Frauenausschüssen. In ihrem 1901 erschienenen Buch Women and Their Work argumentierte sie, dass Bildung für Frauen „wesentlich für ihren wirklichen Fortschritt“ sei, wobei das Wahlrecht einen notwendigen Bestandteil dieser Bildung darstelle.
Leben
Lyttelton war die einzige Tochter von George Clive (1803–1880), Richter und liberaler Politiker, und Ann Sybella Martha Farquhar (1815–1907). Trotz der anfänglichen Bedenken ihres Vaters heiratete sie 1880 Arthur Temple Lyttelton (1852–1903), damals Tutor am Keble College, Oxford. Die Ehe erwies sich als stabil, und das Paar hatte drei Kinder: Margaret Lucy (1882–1970), Archer Geoffrey (1884–1959) und Stephen Clive (1887–1959).
1882 nahm das Ehepaar Wohnsitz im neu gegründeten Selwyn College, Cambridge, wo Arthur Lyttelton zum Leiter (Master) ernannt worden war. Als sie einzogen, war das College noch eine Baustelle, von der nur die Westfront fertiggestellt war. Zunächst begnügten sie sich mit einer Suite umgebauter Studentenzimmer, bis die Master’s Lodge errichtet war.
Lyttelton gründete 1884 gemeinsam mit Millicent Garrett Fawcett die Cambridge Association For Women’s Suffrage (CAWS) und Fawcett ermutigte sie, dem Exekutivkomitee der Central Society For Women’s Suffrage beizutreten. Sie war außerdem in der Cambridge Women’s Refuge aktiv und half, Mittel für das zu beschaffen, was später zur Cambridge Association for the Care of Girls wurde, die es sich zum Ziel gesetzt hatte, armen Mädchen aus der Umgebung praktische Hilfe in Haushaltsführung und Alphabetisierung zu leisten.
1890 gründete Lyttelton gemeinsam mit ihrer engen Freundin Louise Creighton die Cambridge Ladies Dining Society, eine Gruppe von Befürworterinnen der Frauenbildung, die sich aktiv dafür einsetzte, dass die Universität Frauen akademische Grade verlieh; die meisten waren zudem überzeugte Unterstützerinnen des Frauenwahlrechts. Zu den Mitgliedern der Gesellschaft gehörten Eleanor Mildred Sidgwick, Margaret Verrall, Mary Ward, Ellen Wordsworth Darwin und Mary Paley Marshall. Während ihrer Jahre in Cambridge trugen die Lytteltons auch zur Entwicklung der College Music Society bei, und sie unterstützten den Boat Club.
Die Familie verließ Cambridge 1893 nach elf Jahren, als Arthur Lyttelton übernahm das Amt des Vikars der Eccles Parish Church in Lancashire. 1895 gründete Lyttelton gemeinsam mit ihrem Mann den Manchester and Salford Women’s Trade Union Council und wurde später Vorsitzende dessen Exekutivkomitees. Ziel dieser Organisation war es, Arbeitsbedingungen zu untersuchen und gering entlohnte Arbeiterinnen gewerkschaftlich zu organisieren. Zu den Mitgliedern des Councils gehörten Christabel Pankhurst und C. P. Scott. Sie initiierte den Eccles-Zweig der Co-operative Women’s Guild und wurde Vizepräsidentin der National Union of Women Workers sowie Mitglied des Komitees der Manchester National Society for Women’s Suffrage. Als Poor Law Guardian im Rahmen der Armengesetzgebung beklagte sie, dass die städtischen Behörden Manchesters „bei der Luftverschmutzung ein Auge zudrückten“.
Lyttelton hielt eine Vorlesungsreihe für die Manchester School of Domestic Economy mit dem Titel Common Sense For Housewives: Girls’ Life after Leaving School, die von der Schule 1896 veröffentlicht wurde.
Nachdem Arthur Lyttelton 1898 zum Suffraganbischof von Southampton ernannt worden war, zog die Familie nach Petersfield, Hampshire.
Lyttelton wurde 1900 und erneut 1901 zur Präsidentin der National Union of Women’s Workers gewählt.
Lytteltons Buch Women and Their Work, das 1901 veröffentlicht wurde, war von ihren tiefen religiösen Überzeugungen durchdrungen. Darin bestand sie auf der Bedeutung der Bildung für Frauen sowie auf der Notwendigkeit von Engagement und Überzeugung; sie argumentierte, dass die schwierigen Lebensumstände von Frauen der Arbeiterklasse natürlicherweise zur Herausbildung fester Meinungen führten, während die behüteten, komfortablen Lebensverhältnisse von Frauen der Mittel- und Oberschicht nicht von selbst zu einer solchen Überzeugung führten. Sie schrieb, dass „die Vorenthaltung des Wahlrechts der richtigen Entwicklung der Frauen sehr abträglich ist und dass die durch das Wahlrecht vermittelte Bildung für ihren wirklichen Fortschritt wesentlich ist“, und sagte voraus, dass „die Irritation mit den Jahren vergehen wird und dass sich aus der schieren Größe der Aufgabe mit der Zeit ein Anstoß ergeben wird, der jene Frauen aufrüttelt, die ihr bislang gleichgültig gegenüberstehen“.
Nach Arthur Lytteltons Tod im Februar 1903 gab sie eine Sammlung seiner Essays unter dem Titel Modern Poets of Faith, Doubt and Paganism (1904) heraus.
Im Juni 1903 wurde sie Herausgeberin der Frauensektion einer anglikanischen Wochenzeitschrift mit dem Titel The Guardian. In dieser Funktion war sie die Erste, die die frühen Schriften von Virginia Woolf rezensierte und veröffentlichte. Woolf zeigte sich zunächst zögerlich und dankbar, war jedoch gegen Ende des Jahres 1905 ausreichend selbstbewusst, um sich darüber zu beklagen, dass „Mrs L. ihren breiten Daumen mitten in meine Sätze steckt und den moralischen Ton verbessert“.
Lyttelton zog in ein Haus in der Gower Street in London, in die Nähe von Millicent Fawcett, mit der sie 1906 Why Women Want the Vote veröffentlichte.
Lyttelton starb im Alter von 50 Jahren auf dem Familiensitz der Clives in Perrystone Court, Herefordshire. Ihr Nachruf in The Times erwähnte weder ihre Arbeit für das Frauenwahlrecht noch ihre Tätigkeit im Trade Union Council und konzentrierte sich stattdessen auf ihre Rolle als gelehrte Übersetzerin, als „eine bedeutende Literaturstudentin“ und „fleißige Kritikerin“. Weitere Nachrufe erschienen in The Englishwoman’s Review und in ihrer Hauszeitschrift The Guardian.
Quellen
- Wikidata · Lizenz: CC0
- Wikipedia (de): Kathleen Lyttelton · Lizenz: CC BY-SA 4.0
- Wikipedia (en): Kathleen Lyttelton · Lizenz: CC BY-SA 4.0
Lebenslauf
- 27. Februar 1856Geboren in Belgravia
- 3. August 1880Heirat mit Arthur Lyttelton
- 12. Januar 1907Gestorben



