
Mririda n’Ait Attik
- Literatur & Presse
Biografie
Marokkanische Volksdichterin, Berberin aus dem Hohen Atlas
- Geboren
- 1900
- Gestorben
- 1940
- Wirkungsfeld
- Dichterin, Schriftstellerin

Lebensgeschichte
Mririda n’Aït Attik (marokkanisches Tamazight ⵎⵔⵉⵔⵉⴷⴰ ⵏ’ⴰⵢⵜ ⴰⵜⵜⵉⴽ; auch Mrīrīda ūt-ʿAtiq, liebevoll: Mririda Tandamt) (geboren um 1900 in Megdaz, Marokko; Sterbedatum unbekannt, nach 1942) war eine Sängerin und Dichterin aus dem Volk der Schlöh. Ihre Reime und Lieder trug sie in ihrer Muttersprache Taschelhit auf den Märkten (Souks) im Azilal-Tal vor.
Da der Franzose René Euloge viele ihrer Verse aufschrieb und in einer Gedichtsammlung veröffentlichte, blieben ihre Lieder in einer französischen Übersetzung erhalten. Im heutigen Marokko gilt sie als eine der Symbolfiguren für die Auflehnung von Frauen gegen patriarchale Strukturen.
Leben
Mririda n’Aït Attik stammte aus einfachen Verhältnissen und wurde sehr früh verheiratet. Da sie unglücklich war, floh sie aus ihrer Heimat und verdiente ihren Lebensunterhalt als reisende „Sheikha“; die örtliche Bezeichnung für eine darstellende Künstlerin, die tanzt, singt und eigene Texte vorträgt. Abgesehen davon, dass sich die Bezeichnung auf Berberinnen aus dem Atlasgebirge bezieht, lässt sich die Tätigkeit mit der einer Trobairitz (dem weiblichen Gegenstück zum Troubadour) vergleichen. Mit ihrem ausgeprägten Improvisationstalent trat sie auf Märkten auf. Damals waren mündliche Überlieferungen die Norm, da nur wenige Frauen Schulen besucht und Lesen oder Schreiben gelernt hatten. Mririda trug ihre Texte, von denen viele als Reime formuliert waren, auf Tashelhit vor. Der eigentliche Name der Dichterin ist unbekannt, da Mririda lediglich der Künstlername war, den sie nutzte.
Der Namenszusatz Aït Attik steht für ihre Familienzugehörigkeit, einer Untergruppe der Fraktion der Aït Mgoun, die im Gebiet der heutigen Provinz Azilal lebte.
Für eine weibliche Dichterin war es ungewöhnlich, dass sie sich mit tabuisierten Themen befasste, wie Scheidung, unerwiderter Liebe und Problemen, denen Frauen nach der Verheiratung im Haus ihrer Ehemänner begegnen. Durch die Offenlegung dieser Gedanken wurde sie sowohl bewundert als auch gemieden, da es als unschicklich galt, sich offen zu Themen zu äußern, die als Privatsache galten.
Überlieferung
Details über Mriridas Werk und Biografie wurden der westlichen Welt durch ihren Übersetzer René Euloge bekannt, der als französischer Beamter ungefähr von 1930 bis etwa zu Beginn des Zweiten Weltkrieges in diesem Gebiet lebte und arbeitete. Er erlernte die Sprache der dort lebenden Schlöh. Mririda war etwa 30 Jahre alt, als Euloge sie um 1930 im Souk des kleinen Militärpostens Azilal kennenlernte. Dort arbeitete sie als Prostituierte für die einheimischen Truppen des französischen Protektorats Marokko und war bekannt für ihre in der Tradition der Berberkultur vorgetragenen Reime. Sie erzählte ihm, dass sie aus dem Dorf Megdaz im oberen Teil des Tals des Flusses Tassaout stamme, einem damals sehr isolierten Gebiet im zentralen Hohen Atlas. Sie sprach nur Taschelhit, die Sprache ihres Volkes, und konnte weder lesen noch schreiben.
Euloge traf die Poetin 1943 zum letzten Mal. 1946 verlor er ihre Spur, aber es wurde ihm berichtet, dass sie einige Jahre lang die Gefährtin eines französischen Unteroffiziers gewesen sein soll. Es ist nicht bekannt, wann und wo Mririda n’Aït Attik starb.
Wirken
Mririda improvisierte ihre Gedichte und rhythmischen Gesänge auf öffentlichen Marktplätzen. In ihren Reimen sprach sie sowohl von ihrer Heimat, Sehnsucht nach Liebe, Alltag und Lebensbedingungen der Frauen im Hohen Atlas als auch über ihr Leben als Prostituierte. In ihnen richtete sie sich gegen die Marginalisierung der Frauen und lehnte sich gegen ihre Lebensbedingungen auf. In vielen Gedichten spricht sie ihre Mitmenschen direkt an, wie zum Beispiel in L’Affront:
Quellen
- Wikidata · Lizenz: CC0
- Wikipedia (de): Mririda n’Aït Attik · Lizenz: CC BY-SA 4.0
- Wikipedia (en): Mririda n'Ait Attik · Lizenz: CC BY-SA 4.0
Lebenslauf
- 1900Geboren
- 1940Gestorben



