
Ruth First
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Biografie
Südafrikanische Soziologin und Antiapartheidskämpferin
- Geboren
- 4. Mai 1925 in Johannesburg, Südafrika
- Gestorben
- 17. August 1982 in Maputo, Mosambik
- Wirkungsfeld
- Politikerin, Hochschullehrerin, Schriftstellerin, Journalistin

Lebensgeschichte
Heloise Ruth First (* 4. Mai 1925 in Johannesburg; † 17. August 1982 in Maputo) war eine weiße südafrikanische Antiapartheidsaktivistin, Sozialwissenschaftlerin und Hochschullehrerin sowie Buchautorin. Ihr Leben umfasste einen internationalen Wirkungskreis mit Tätigkeitsschwerpunkten in Johannesburg, London, Durham, Daressalam und Maputo.
Jugend
Ruth First wuchs in einem diskussionsfreudigen und kulturell vielseitig orientierten Elternhaus auf, wodurch sie früh mit Fragen der Tagespolitik von Südafrika in Verbindung kam. Ihre Eltern, Julius und Matilda (Tilly) First (geborene Levetan), waren jüdische Immigranten aus Lettland und gehörten zu den Gründungsmitgliedern der Südafrikanischen Kommunistischen Partei. Der Vater war als Schatzmeister dieser Organisation tätig.
Ausbildung und Familie
Ruth First verbrachte die erste Etappe ihrer Schulzeit, etwa ab 1936 für zwei Jahre an der Jewish Government School in Doornfontein (Innenstadt von Johannesburg), danach an der Johannesburg Girls’ High School (Barnato Park) in Berea (Stadtteil von Johannesburg). Die weiterführende Schulausbildung erhielt sie von 1939 bis 1941 an der Jeppe High School for Girls in Kensington (Stadtteil von Johannesburg). Diese Schule ging in ihrem Ursprung auf die anglikanische Bildungseinrichtung St. Michael’s College zurück. Im Jahr 1942 nahm sie ein Studium an der Witwatersrand-Universität auf, das sie 1945 mit einem Bachelor auf dem Gebiet der Sozialwissenschaften abschloss. In dieser Studienzeit besuchte sie Lesungen in Soziologie, Anthropologie, Wirtschaftsgeschichte und „Eingeborenenverwaltung“ (englisch: Native administration).
Neben ihrem Studium war sie an der Gründung der Organisation Federation of Progressive Students (FOPS) beteiligt und als Sekretär des Progressive Youth Council tätig.
Im Jahr 1949 heiratete sie den in Litauen geborenen Rechtsanwalt Joe Slovo (Yossel Mashel Slovo), der wie sie ein Antiapartheidsaktivist sowie späterer Generalsekretär der South Africa Communist Party und ein Mitglied des African National Congress Executive Committee war. Aus ihrer gemeinsamen Ehe gingen drei Töchter hervor: Shawn Slovo (* 1950), Gillian Slovo (* 1952) und Robyn Jean Slovo (* 1953).
Berufliche und politische Aktivitäten
Frühe journalistische Tätigkeiten
Nach ihrem Studium nahm Ruth First ihre erste feste berufliche Tätigkeit 1945 in der Stadtverwaltung (Research Division of the Department of Social Welfare – Planungsabteilung der Sozialbehörde) von Johannesburg auf. Weil sie jedoch mit den dort existierenden Zielsetzungen nicht einverstanden war, wechselte sie kurz darauf in eine journalistische Tätigkeit. Sie schrieb für die Wochenzeitung The Guardian in Johannesburg, deren meiste Redakteure der Südafrikanischen Kommunistischen Partei nahestanden und deren Mitglied sie selbst war. Ruth First, in ihrer wissenschaftlichen Laufbahn als unabhängige Marxistin bekannt, ging jedoch später zu dieser fundamentalistisch orientierten Partei auf Distanz. In ihrem Redaktionsumfeld waren mehrere junge jüdischstämmige Frauen tätig, die sich in den weiteren Jahren in der Antiapartheidsbewegung engagierten. Dazu zählten Sonia Bunting, Sarah Carneson, Pauline Podbrey und Jean Bernardt.
Während ihrer Redaktionstätigkeit beim Guardian konzentrierte sie sich auf prekäre Arbeitsbedingungen in Südafrika. Dazu gehörten die sklavenartigen Beschäftigungsverhältnisse auf den Kartoffelplantagen um Bethal in der heutigen Provinz Mpumalanga, ferner die landesweit verteilten Wanderarbeiter, die Lebensbedingungen in den Slums, der Alexandra-Bus-Boykott (1957) und die politischen Frauenaktivitäten im Zusammenhang mit den so genannten Pass laws. Die zusammen mit Gert Sibande recherchierten Berichte über die Bethal-Farmen informierten über die unmenschlichen Arbeitsbedingungen in Verbindung mit den dabei erlittenen körperlichen Verletzungen und Todesfällen unter den betroffenen Landarbeitern. Diese Zustände führten ab 1959 landesweit zu organisierten Protestaktionen, die als Bethal Potato Boycott in die Geschichte Südafrikas eingingen. Die Wochenzeitung The Guardian wurde 1952 gebannt und erschien später unter anderen Namen, wie Clarion, People’s World, Advance, New Age und Spark. Zwischen 1954 und 1963 wirkte Ruth First als Redakteurin bei Fighting Talk, einer Johannesburger Monatsschrift.
Repressionen in Südafrika
Wegen der zunehmend kritischen politischen Lage im Land ordnete die südafrikanische Regierung im Jahre 1950 für 600 Personen eine Bannung nach dem Suppression of Communism Act an. Dem Ehepaar First untersagten die dabei individuell verfügten Restriktionen jegliche Teilnahme an öffentlichen Veranstaltungen und es war Dritten verboten, sie in der Presse zu zitieren.
Gemeinsam mit ihrem Mann Joe Slovo und 150 weiteren Angeklagten, darunter Nelson Mandela und Walter Sisulu, war sie in dem bekannten Gerichtsverfahren Treason Trial von 1956 angeklagt. Nach vier Jahren ging sie mit einem Freispruch daraus hervor, erhielt jedoch später wegen ihrer kritischen journalistischen Tätigkeit eine erneute Bannung. Zu Beginn des Ausnahmezustandes infolge des Sharpeville-Massakers vom März 1960 floh sie mit ihren Kindern nach Swasiland. Ihr Mann und über 2000 Dissidenten waren während dieser innenpolitisch angespannten Phase inhaftiert. Nach dem Ende des sechsmonatigen Ausnahmezustandes kehrte Ruth First in ihr Land zurück und arbeitete als Redakteurin bei der Johannesburger Zeitung New Age (Nachfolgetitel vom The Guardian). Während dieser Zeit unterstützte sie den Aufbau eines mobilen Radiosenders (Radio Freedom) in ihrer Stadt. Nach einer Reise in das benachbarte Südwestafrika sprach die südafrikanische Regierung eine Bannung für die Dauer von fünf Jahren aus, wodurch ihr nur der Aufenthalt innerhalb des Verwaltungsdistriktes von Johannesburg erlaubt war und sie weitere Auflagen erhielt.
Zwischen 1956 und 1963 korrespondierte Ruth First mit dem South African Institute of Race Relations, das sich mit Fragen der Demographie und Soziologie Südafrikas beschäftigte. Ihr 1963 erschienenes Buch South West Africa (bei Penguin Books verlegt) gilt als frühes kritisches Werk bezüglich der Übertragung südafrikanischer Rassismuspolitik auf das damalige Südwestafrika (heute Namibia).
Am 9. August 1963 nahm die südafrikanische Sicherheitspolizei sie auf der Grundlage des General Law Amendment Act (so genannter 90-Day Detention Act) in der Haupthalle der Bibliothek der Witwatersrand-Universität fest und hielt sie für 117 Tage ohne anwaltliche Unterstützung in Einzelhaft. Während ihres Gefängnisaufenthaltes erlebte Ruth First psychische Folter und unternahm einen Suizidversuch.
Exil mit Schwerpunkt in Europa
Nach der Freilassung ging Ruth First im März 1964 mit ihren drei Kindern ins Exil nach London, wo bereits ihr Mann und ihr Vater lebten. Dort arbeitete sie als freie Mitarbeiterin für Verleger sowie internationale Organisationen und bereiste in den Folgejahren zahlreiche Staaten im Nahen Osten und in Afrika. Im Jahre 1965 reflektierte sie ihren Gefängnisaufenthalt nach der letzten Festnahme in ihrem Buch One Hundred and Seventeen Days (1965 erschienen, 2010 neu verlegt). Darin berichtete sie über Verhaftung und die Verhöre. Ihr Buch wurde auch zeitnah zu seinem Erscheinen verfilmt.
Im Zeitraum von 1967 bis 1968 hielt sie sich zu Forschungszwecken in Westafrika und im Sudan auf. In der Folge erschien ihr Buch Barrel of Gun, worin sie zu Fragen der Antiapartheidsbewegung in Bezug auf eigene biographische Fakten und über andere Aktivisten Stellung nimmt. Sie referiert ferner darin die Staatsstreiche in Ghana, Nigeria und im Sudan und erläutert ihre Vorstellungen über die künftige Unabhängigkeitsentwicklung Afrikas.
Zeitweilig war Ruth First nun Teilnehmerin an akademischen Seminaren in den Niederlanden und Großbritannien. Zwischen 1972 und 1973 nutzte sie ein Stipendiat im Simon-Research-Fellow-Programm der Universität Manchester zur akademischen Fortbildung. Danach erhielt sie 1973 an der Universität Durham einen Lehrauftrag für Soziologie (Department of Sociology). Dort lehrte sie insgesamt sechs Jahre.
Im Jahr 1975 unterbrach Ruth First diese Tätigkeit, um während des Herbstsemesters an der University of Dar es Salaam im Department of Economics mit Vorlesungen tätig zu sein. Im Januar 1976 kehrte sie nach Durham zurück.
Quellen
- Wikidata · Lizenz: CC0
- Wikipedia (de): Ruth First · Lizenz: CC BY-SA 4.0
- Wikipedia (en): Ruth First · Lizenz: CC BY-SA 4.0
Lebenslauf
- 4. Mai 1925Geboren in Johannesburg
- 1949Heirat mit Joe Slovo
- 17. August 1982Gestorben in Maputo



