
Victoria Woodhull
- Politik
- Literatur & Presse
Biografie
US-amerikanische Finanzmaklerin, Journalistin und Frauenrechtlerin
- Geboren
- 23. September 1838 in Homer, Vereinigte Staaten
- Gestorben
- 9. Juni 1927 in Bredon's Norton, Vereinigtes Königreich
- Wirkungsfeld
- Börsenmaklerin, Suffragette, Herausgeberin, Politikerin

Lebensgeschichte
Victoria Claflin Woodhull Martin, auch Victoria Woodhull Martin, (* 23. September 1838 in Homer, Licking County, Ohio; † 9. Juni 1927 in Bredon's Norton, Wychavon, nahe Tewkesbury, England) war eine US-amerikanische Journalistin, Zeitungsverlegerin, Finanzmaklerin, Spiritistin und eine bekannte Frauenrechtlerin des 19. Jahrhunderts. Außerdem setzte sie sich für soziale Reformen und die Gleichberechtigung der Afroamerikaner ein. Sie war zudem die erste Frau, die für die US-Präsidentschaft kandidierte – bei der Präsidentschaftswahl 1872. Für ihre Vorträge vor großem Publikum wurde die überzeugende Rednerin gut dotiert. Zu Lebzeiten – vor allem als Anhängerin der freien Liebe – heftig umstritten, geriet sie nach ihrem Tod weitgehend in Vergessenheit oder wurde negativ bewertet. Während sie in den Vereinigten Staaten, insbesondere seit dem Ende des 20. Jahrhunderts, erneut Aufmerksamkeit erregt, gab es im deutschsprachigen Raum nur wenige Veröffentlichungen. Die Medienresonanz stieg 2016 mit der Bewerbung Hillary Clintons als Präsidentschaftskandidatin der USA erheblich an.
Leben und Wirken
Kindheit
Victoria California Claflin war das siebte von zehn Kindern von Reuben Buckman Claflin und seiner Ehefrau Roxanna Claflin, geborene Hummel. Die sozial randständigen Eltern, die von bezahltem Wahrsagen lebten, teilweise verbunden mit Erpressung, wurden mehrmals polizeilich u. a. wegen Erpressung, Quacksalberei oder Betreibung eines Bordells gesucht. Sie wechselten daher häufig den Wohnort, lediglich in Homer blieben sie bis zu Victorias achtem Lebensjahr. Die Kinder wuchsen in einer Umgebung auf, die durch Gewalt des Vaters und ekstatische übersinnliche Erfahrungen der selbstbewussten Mutter geprägt war, fernab sozialer Tatsachen, beispielsweise hinsichtlich der untergeordneten Stellung der Frau in der Gesellschaft. Victoria ging nur ca. drei Jahre, bis zu ihrem 11. Lebensjahr, und mit Unterbrechungen zur Schule. Sie musste schon im frühen Kindesalter als Hellseherin und Wahrsagerin arbeiten und trug in großem Maße zum Lebensunterhalt der Familie bei.
Immer wieder zeigte sie sich – auch gemeinsam mit ihrer 1846 geborenen Schwester Tennessee Celeste Claflin – verantwortlich für die Großfamilie. Sie glaubte an den Spiritismus, vermeinte Visionen über die Zukunft zu haben und führte ihre politischen und sozialen Ideen auf die Geisterwelt zurück. Viele Jahre lang behauptete sie, dass ihr wiederholt der Geist des antiken griechischen Redners und Staatsmanns Demosthenes erschienen sei und Anweisungen für ihr Leben erteilt habe.
Aufbruch
Um den Verhältnissen zu entkommen, heiratete sie 1853 mit 15 Jahren den Arzt Canning H. Woodhull, den sie zuvor als Kunden getroffen hatte. Das Ehepaar hatte zwei Kinder, den geistig behinderten Sohn Byron, geb. Ende 1854, und die Tochter Zulu Maud, geb. im April 1861. Da Woodhull Alkoholiker war, sorgte sie allein für den Unterhalt ihrer Familie, zunächst in der Goldgräberstadt San Francisco als Schauspielerin, ein Gewerbe, das zu dieser Zeit in den USA wenig anerkannt und für Frauen häufig mit sexuell stimulierenden Vorführungen und teilweise mit Prostitution verbunden war. Nach der Rückkehr der jungen Familie zu Victorias Eltern war sie als Geistheilerin tätig. 1864 ließ Victoria sich im Alter von 26 Jahren scheiden, behielt aber den Namen Woodhull bei.
Als magnetische Heilerin und Wahrsagerin machte sie sich 1864 in St. Louis selbstständig und begegnete dem verheirateten, gebildeten und ehemals gut situierten Bürger Oberst James Harvey Blood, der sich aufgrund von Erfahrungen im amerikanischen Bürgerkrieg dem Spiritismus zugewandt und verschuldet hatte. Das Paar begab sich 1866 in einem Planwagen auf Reisen und lebte von Victorias ertragreicher Tätigkeit. Zurück in St. Louis, tilgte Blood seine Verbindlichkeiten, übertrug verbliebenes Eigentum auf seine Ehefrau und die Kinder und erreichte die Scheidung. Im Sommer desselben Jahres heiratete Victoria Woodhull den fünf Jahre älteren James Blood in Dayton, weil sich dort auch Geschiedene trauen lassen durften. Nach dieser zweiten Heirat nannte Victoria sich weiterhin Woodhull, eventuell weil der Name Blood (dt. Blut) ungünstige Assoziationen für ihre Tätigkeiten als Heilerin und spirituelle Beraterin hätte wecken können. Die beiden gaben vor, dass ihre Ehe zwei Jahre später aus weltanschaulichen Gründen, nämlich wegen ihres Idealbildes freier Liebe, geschieden worden sei. Allerdings ließ sich Victoria erst 1876 scheiden. Ihre jüngere Schwester Tennessee, die durch zwielichtige spiritistische Angebote und Prostitution zur Haupternährerin der Familie geworden war, kam wiederholt mit der Polizei in Konflikt. Sie zog zu ihrer Schwester und wurde Teil der Lebens- und Arbeitsgemeinschaft, die, der freien Liebe verpflichtet, insgesamt zehn Jahre dauerte.
Mit Blood traf Victoria Woodhull zum ersten Mal auf einen Intellektuellen, der sie u. a. mit politischen, antirassistischen und sozialen Reformbewegungen, sozialistischem und anarchistischem Gedankengut und Ansätzen zur Überwindung der Benachteiligung von Frauen bekannt machte, darunter auch radikalen Ideen. Er sprach sich nicht nur für das Frauenwahlrecht, sondern für die – aus dem europäischen Frühsozialismus stammende – Lebensform der sogenannten Free Lovers aus, die Victoria fernab von jeder Theorie bereits ausübte. Die Woodhull-Biografin Antje Schrupp (2016) schreibt über diese Verbindung:
„Man kann sich vorstellen, welche Inspiration James Blood und Victoria Woodhull füreinander gewesen sein müssen. Er bot ihr die Möglichkeit, ihre Ansichten und Erfahrungen in einer «Theorie» wiederzufinden, und gab ihr das Selbstvertrauen, mit ihren Überzeugungen und ihrer Lebensweise auch Menschen aus der Mittelklasse gegenüberzutreten. Und sie ermöglichte ihm den Ausbruch aus spießbürgerlichen Verhältnissen, die Umsetzung seiner Theorien in die Praxis.“
New York
Begegnung mit Cornelius Vanderbilt
1868 zog Victoria Woodhull mit ihrer Schwester Tennessee Claflin und James Blood nach New York City. Während Blood als Zeitungsredakteur arbeitete, nahmen die Schwestern Kontakt zur Prostitutionsszene auf und boten dort ihre spiritistischen Dienstleistungen, aber auch Essigschwämme zur Verhütung, an. Woodhull traf auf die Betreiberin eines Edelbordells für Spitzenpolitiker und führende Unternehmer. Zu dieser Zeit war es Frauen verboten, Börsengeschäfte zu tätigen. So besprachen die Finanzmakler ihre Angelegenheiten offen vor den Prostituierten oder ihren Liebhaberinnen, von denen einige ihr Wissen mutmaßlich gegen Bezahlung an Woodhull weitergaben. Die Familie war inzwischen nachgereist, und der Haushalt umfasste später zeitweise insgesamt 16 Personen.
Im selben Jahr lernten die Schwestern den aus der Unterschicht zum Multimillionär aufgestiegenen Eisenbahnunternehmer Cornelius Vanderbilt kennen, der ebenfalls zum Spiritismus neigte. Vanderbilt machte Claflin zu seiner Heilerin und Geliebten und Woodhull zu seiner hellsehenden Finanzberaterin. Mit den Informationen, die die Schwestern zusammentrugen, konnte Blood an der Börse erfolgreich spekulieren. Vanderbilt beteiligte Woodhull seit November 1868 zu einem bestimmten Prozentsatz an seinen Gewinnen an der Börse und entlohnte Tennessee Claflin großzügig. Nach besonders lukrativen Börsengeschäften, die Vanderbilt auf Woodhulls hellseherische Fähigkeiten zurückführte, vermehrte sich das Vermögen der Schwestern enorm, und sie führten ein Luxusleben. Als Vanderbilt beim großen Finanzcrash im September 1869 auf die in „Trance“ vermittelten Ratschläge Woodhulls einging, stieg der Reichtum immens an. Victorias Tipps beruhten laut Schrupp (2002) auf Angaben einer Freundin, der Geliebten des Konkurrenten Vanderbilts James Fisk, Josie Mansfield. 50 Prozent der erzielten Gewinne, ungefähr 650 000 Dollar, gingen an Woodhull.
Quellen
- Wikidata · Lizenz: CC0
- Wikipedia (de): Victoria Woodhull · Lizenz: CC BY-SA 4.0
- Wikipedia (en): Victoria Woodhull · Lizenz: CC BY-SA 4.0
Lebenslauf
- 23. September 1838Geboren in Homer
- 1853Heirat mit Canning H. Woodhull
- 1866Heirat mit James Blood
- 1883Heirat mit John Martin
- 9. Juni 1927Gestorben in Bredon's Norton
- 2001Auszeichnung: National Women’s Hall of Fame



